Donnerstag, 15. Februar 2018

Krea-Tief

Krea-tief

Heute Nachmittag fuhr ich in Weil am Rhein an einem Laden vorbei, von dem ich auf die Schnelle nicht erkennen konnte, ob das nun ein Restaurant oder ein Friseurgeschäft ist. Normalerweise erkennt man letztere ja oft an den originellen, sozusagen "haarsträubenden" Namen, die sie sich geben.

Crea'tif Coiffure

Das geht von Haarmonie oder Haarspalterei über CHaarisma und AtmosfHair bis zu VorHair und NachHair. Ganze Internetseiten beschäftigen sich damit.

https://www.buzzfeed.com/nscholz/friseurnamen?

Genauere Recherchen meinerseits ergaben nun aber, dass es sich hier tatsächlich um ein Restaurant handelt. Dürfen die sich überhaupt so nennen? Créa'tif war mir bisher nur als eine Art Markenzeichen zahlreicher Friseurgeschäfte in Frankreich bekannt.

CREA-TIF

Das französische Wortspiel steht mit der ersten Hälfte natürlich für Kreativität und mit der zweiten für einen umgangssprachlichen Ausdruck für Haare.

Creatif

Les tifs sind die Haare oder der Schopf. Ein Coupe-tif ist im Volksmund ein Fransenschneider.

Restotif

Nicht dass sich mal jemand in den falschen Laden verirrt und womöglich nach Tischen und Speisekarten sucht, wo es keine gibt. Und dann schnell die Flucht ergreift, bevor es ihm an die Mähne geht.

KOMMHAIR

Montag, 12. Februar 2018

Dies und das

Und dann beschäftigte mich eine Frage so sehr, dass ich mal wieder nicht einschlafen konnte. Ich wälzte mich hin und her, um nicht zu sagen "ging im Bett auf und ab", bis ich mich entschloss, auch die niederländische Originalversion von "Het Bureau" als Kindle-Version herunterzuladen.

Ich wollte nämlich unbedingt wissen, wie die Passage, in der vom Unterschied zwischen das und dass die Rede ist, im niederländischen Originaltext lautet. Denn "dat en dat" konnte es ja nicht sein.

Sie lautete: "dat ik het een heel prettig denkbeeld vindt, dat je je 31ste verjaardag op ons Bureau zult vieren." ("das es für mich eine sehr angenehme Vorstellung ist, das du deinen 31. Geburtstag in unserem Büro feiern wirst.")

Der Übersetzer musste also das tun, was ein guter Übersetzer tun muss. Er musste etwas anderes (er)finden. Er musste eine andere "Problematik" finden, die nicht übersetzbare Stelle hinter sich lassen und eine neue erschaffen.

Tatsächlich hieß es im Original, dass der meneer Beerta etwas findet ("vindt"). Anscheinend passiert es vielen Niederländern, dass sie "vind" fälschlicherweise mit dt am Ende schreiben. ""Hij schrijft vindt met dee-tee," zei Nicolien..." (Er schreibt vindt mit de-te" sagte Nicolien...)

Und so erfand der Übersetzer Gerd Busse die Geschichte mit dem Unterschied zwischen das und dass.

Man meint ja oft, dass ein Übersetzer möglichst mehrere Fremdsprachen perfekt beherrschen muss, um gute Arbeit leisten zu können. Dabei sind die Fremdsprachen eigentlich zweitrangig, denn man kann ja jedes Wort im Wörterbuch nachsehen.

Natürlich ist es von Vorteil, wenn man nicht zu oft zum Lexikon greifen muss, weil man sonst nicht vorankommt. Man wird ja nach Zeilen und nicht nach Stunden bezahlt.

Das wichtigste für den Übersetzer ist, dass er seine Muttersprache, in die er immer übersetzen sollte, so gut beherrscht, dass er druckreifen Text liefern kann. Und er muss stilsicher und kreativ sein, um solche "das und dass"-Probleme elegant zu lösen.

Im Radio hörte ich jetzt öfter von der Eröffnung der Olympischen Spiele berichten, wo mal vom Einlauf und mal vom Einmarsch der Sportler ins Stadion die Rede war. Ich bin mir nicht ganz sicher, welches Wort dafür am besten verwendet wird, und schrieb daher meine diesbezügliche Frage spasseshalber mal in das Plauderei-Forum von "wer-weiss-was".

Ich erhielt mehrere launige und zum größten Teil humoristische Antworten, die ich meiner geschätzten Leserschaft nicht vorenthalten möchte.
http://www.wer-weiss-was.de/t/einlauf-oder-durchmarsch/9427623

Letztere, meine geschätzten Follower und Kultbuchleser/innen, haben sich heute um eine Bloggerin erweitert, die sich ebenfalls gerne mit Fragen der Sprache und des Übersetzens beschäftigt.
https://natescriminalmind.wordpress.com/

Sonntag, 28. Januar 2018

Sonntagsessen mit Anlauf

Gestern waren wir im Bioladen einkaufen. Wir wollten Frikadellen mit Kartoffelpüree und Sauce machen. Im Obst- und Gemüsebereich des Ladens sah ich Plastiktüten mit frischem Sauerkraut aus dem Elsass, direkt von den Herstellern.

Ich nahm spontan einen Beutel. Der Kilopreis war 2,99 € und an der Kasse ergab sich beim Wiegen, dass unsere Portion 1,05 € kostete. Ich sagte: "Das war doch ein guter Einkauf!"

Als wir dann in der Küche waren, suchte meine Frau zuerst nach einem Rezept für das nicht eingeplante Sauerkraut. Ich sagte: "Das musst nur bissle heissmachen und gut is."

Nein, das war ihr nicht genug. Sie wollte es genau wissen und alles richtig machen. Und sie ärgerte sich, dass ich ihr eine Mehrarbeit verursacht hatte, das spürte ich.

"Da muss noch Kümmel dran und Brühe und das soll 20 Minuten lang kochen", meinte sie. "Na gut", sagte ich, "dann mach mal." Ich wollte inzwischen Kartoffeln schälen, um ihr ein bisschen zu helfen.
Und weil die Kartoffeln nicht abgewaschen waren, nahm ich sie nur ungern in die Hand, ja, richtig widerwillig.

Dann war auch noch das Schälmesser stumpf und ich war auf einmal nervös. Hatte ein schlechtes Gewissen, weil meine Frau sich soviel Arbeit mit dem Sauerkraut machte, das ich so ungeplant gekauft hatte. Ich wollte ihr ja nicht zusätzliche Arbeit verursachen.

Ich hatte schon schlechte Laune und sie dann auch. So dass ich, was nur ganz selten passiert, das blöde stumpfe Kartoffelschälmesser auf den Tisch knallte, aufstand und sagte: "Du brauchst kein Sauerkraut kochen und auch keinen Kartoffelpüree machen, lass es einfach sein."

Ich ging ins Wohnzimmer und lenkte mich ein bisschen ab, um wieder runterzukommen.

Nach einiger Zeit ging ich dann wieder in die Küche und fragte sie, die am Herd stand und in den Töpfen rührte: "Schatz, kann ich Dir ein Heissgetränk machen?"

Sie sagte: "Ja gerne, eine heisse Schokolade." Ich machte uns beiden einen Kakao, sie wuselte weiter und ich räumte die Kartoffelschalen weg und bewegte mich noch bissle rum, statt am Küchentisch in der "TAZ am Wochenende" zu lesen, wie ich es noch bis kurz vor dem Kartoffelschälversuch gemacht hatte.

Das Essen, das sie uns dann gezaubert hat, war das beste, was wir beide seit langem gegessen hatten. Selbstgemachte Frikadellen aus Bio-Hackfleisch, Kartoffelpü ebenfalls selbstgemacht statt Pulver aus der Schachtel und frisches Sauerkraut aus dem Elsass.

Es war der Höhepunkt unseres Samstags und sie hatte genug davon gemacht, dass es auch noch für ein Sonntagsessen reicht.

Donnerstag, 25. Januar 2018

Ein alter Freund

Horst Lapp im Café Waidele in Wolfach

Nach der ersten Sitzung bei der Zahnärztin heute morgen brachte ich anschliessend gleich selber das Material zum Dentallabor in Gutach, wo ich es Bernd, einem alten Kumpel, persönlich überreichte. Am Nachmittag sollte es dann zwei Extraktionen und eine Montage des Materials geben.

Zur Überbrückung der Zwischenzeit ging ich ins Café Waidele in Wolfach, wo mich eine Bedienung, die ich vor 15 Jahren zum letzten Mal gesehen hatte, wiedererkannte.

Und kaum hatte ich mich an einen Tisch am Fenster gesetzt, hörte ich aus dem Innern des Kaffees eine laute und sonore Stimme, die sich ebenfalls nicht geändert hatte. Ich blickte in seine Richtung und hob die Hand zum Gruss, worauf er sofort auf mich zukam und sich zu mir an den Tisch setzte. Horst Lapp, mein alter Freund, der Wolfacher Heimatdichter vom Staighof. Das war eine Freude.

2018-01-25_11-38-41

Eine Freude war auch die zweite Sitzung am Nachmittag bei der Zahnärztin. Macht doch immer wieder Spass.

http://www.zeit.de/1989/23/das-schwarze-schaf
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13496857.html
http://www.staighof.de/html/horstlapp.html

Dienstag, 16. Januar 2018

Alkohol? Zigaretten? Drogen? Waffen?

Als ich gestern vom Einkaufen aus Frankreich zurückkam, hatte sich auf der Rheinbrücke vor mir schon eine lange Schlange gebildet. Ich wusste sofort, dass auf deutscher Seite wieder eine Polizei- oder Zollkontrolle stattfand, was nichts besonderes ist. Das machen sie ziemlich oft in letzter Zeit, ist ja auch okay.

Heute war die Schlange etwas länger als sonst. Ich dachte so bei mir: "Na, da ist wahrscheinlich so ein Jungpolizist am Werk, der es ganz genau nimmt und nicht immer wieder die meisten lässig durchwinkt und nur vereinzelt Stichproben macht." Die haben ja ein Auge dafür, wer eventuell eine genauere Kontrolle rechtfertigen könnte.

Mich winken sie in jedem Fall immer durch, ich wurde noch nie kontrolliert, brauchte auch noch nie einen Ausweis zu zeigen oder irgendwelche Fragen zu beantworten.

Als ich dem Polizisten, der offensichtlich für den Stau verantwortlich war, langsam näher kam, senkte ich schon mal die Scheibe, machte das Radio aus und setzte ein freundliches Gesicht auf.

Als ich neben ihm zum Stehen kam, beugte er sich runter und fragte mich durchs Fenster: "Wo kommen Sie jetzt her?"

Und ich so: "Aus Frankreich."

Jetzt hätte er eigentlich sagen müssen: "Wollen Sie mich verarschen?"

Stattdessen fragte er, was ich da gemacht hätte. Ich sagte: "Einkaufen."

"Und was?"

"Lebensmittel."

"Okay, Sie können weiterfahren."

Naja, der wird das auch noch lernen, die Guten von den Bösen zu unterscheiden.

Samstag, 6. Januar 2018

Leatherhead - Eine Aneignung

Wenn ich das Wort Leatherhead schreibe, dann eigne ich mir das Wort sowie das, was es bedeutet, an. Leatherhead und ich gehören ab jetzt zusammen, haben irgendetwas miteinander zu tun, Leatherhead gehört mir oder zumindest zu mir.

Es ist ein Ort in der Nähe von London, wenn man davon ausgeht, dass in England sehr viele Orte in der Nähe von London liegen, so wie in Belgien alle Orte in der Nähe von Brüssel liegen.

In Leatherhead war ich 1967. Ich fuhr mit den beiden Töchtern des Hauses in ihrem Mini Cooper durch den Ort. Die Mädchen gehörten zu dem Haus bzw. zu den Eltern, wo und bei denen ich 1966 zwei Wochen lang wohnte, um Englisch zu lernen.

Ich weiss nur noch, dass wir durch den Ort Leatherhead fuhren und dass an dem Abend irgendwo irgendeine Party stattfinden sollte.

Ich sehe noch eine Strasse, vermutlich die Hauptstrasse, die durch den Ort führt. Und ich sass auf dem Rücksitz des kleinen Mini Cooper, dessen Lenkrad sich auf der Beifahrerseite befand.

Der Ort Leatherhead ist ein Ort auf der britischen Landkarte; und da ich seinen Namen genannt und irgendetwas darüber gesagt habe, was ich mit diesem Ort verbinde, habe ich ihn mir angeeignet.

In gewissen Sinne gehört der Ort also mir. Es ist mein Ort. Es ist einer meiner Orte. Ich kenne noch viele andere Orte, die mir gehören.

Sehr viele davon sogar sehr viel mehr als Leatherhead.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Serien machen süchtig

Es gibt da so einen Witz, wo ein Mann an einem Cola-Automat steht, eine Münze einwirft und dann eine Cola-Dose herausnimmt. Noch bevor er diese öffnet, wirft er die nächste Münze ein und erhält wieder eine Dose Cola. Das geht so weiter, so dass er drei, vier, fünf und immer mehr Getränkedosen erhält.

Als er von einem Vorbeikommenden gefragt wird, warum er denn so viele Dosen Cola kauft und noch nicht eine davon geöffnet und getrunken hat, antwortet er: "Es läuft grad so gut, ich hab 'ne Erfolgsserie!" Das ist typisch menschliches Verhalten.

Mein alter Freund Rudi pflegt auf die Frage, was er besonders gerne isst, scherzhaft zu antworten: "Ich mag eigentlich alles, Hauptsache es ist immer das gleiche."

Wir suchen ständig nach Kontinuität, nach Wiederholungen und Ritualen. Alles soll möglichst endlos so weitergehen, bloß nicht aufhören. Es ist die Angst vor dem Tod, die Formeln wie "ewiges Leben" und Treue "bis dass der Tod euch scheidet" propagiert.

Die TV-Verantwortlichen kommen dem menschlichen Suchtverhalten entgegen, indem sie jedes Jahr an Weihnachten und Silvester alte Erfolgsschinken wie "Dinner for one", "Der kleine Lord" oder "Die Feuerzangenbowle" wiederholen.

Trithemius schreibt dazu in einem Blogeintrag: "Das Kindische Hören und wieder Hören des immer Gleichen rührt an eine anthropologische Konstante überhaupt, die ihren Urgrund in der ständigen Wiederkehr von Ebbe und Flut hat und deren Echo wir im lustvollen Hin und Her des Geschlechtsakts finden."
https://trittenheim.wordpress.com/2018/01/01/teestuebchen-humorkritik-zum-neuen-jahr/

Mag da kommen, was will: "The show must go on."

"Mehr, mehr!" rief der kleine Häwelmann.

Freitag, 22. Dezember 2017

Mutters Sprache

Aus mir bricht zunehmend meine Mutter hervor. Wie soll ich das erklären?

Während mir von den Sprüchen meines Vaters auf Anhieb nur "Druck erzeugt Gegendruck - alter militärischer Grundsatz" einfällt oder "Die sollte man alle an die Wand stellen", habe ich von meiner Mutter jede Menge Sprüche für alle Lebenslagen auf der Festplatte.

Sie kommen bei mir mit zunehmendem Alter immer mehr zum Einsatz, wie ich finde. Sei es in meinen Gedanken und Gesprächen, sei es in bestimmten Lebenssituationen, zu denen sie mir einfallen.

"Man hat's nicht leicht, aber leicht hat's einen." Das ist eine allgemeine Lebensweisheit mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.

Speziellere Anwendung finden dann Sätze wie "Man muss das Säckle auch mal zubinden, wenn's noch nid voll isch" oder "Der Aufpasser isch auch schon die Trepp nunter gfalle". Es hat sich halt keiner selber gmacht.

Soll mir niemand sagen, dass ihm das nie passieren könne. Denn: "Bürschle, Du kommsch auch noch an Schmiersbacks-Eck vorbei!"

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Zuletzt aktualisiert: 17. Feb, 21:44

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