Dienstag, 16. Januar 2018

Alkohol? Zigaretten? Drogen? Waffen?

Als ich gestern vom Einkaufen aus Frankreich zurückkam, hatte sich auf der Rheinbrücke vor mir schon eine lange Schlange gebildet. Ich wusste sofort, dass auf deutscher Seite wieder eine Polizei- oder Zollkontrolle stattfand, was nichts besonderes ist. Das machen sie ziemlich oft in letzter Zeit, ist ja auch okay.

Heute war die Schlange etwas länger als sonst. Ich dachte so bei mir: "Na, da ist wahrscheinlich so ein Jungpolizist am Werk, der es ganz genau nimmt und nicht immer wieder die meisten lässig durchwinkt und nur vereinzelt Stichproben macht." Die haben ja ein Auge dafür, wer eventuell eine genauere Kontrolle rechtfertigen könnte.

Mich winken sie in jedem Fall immer durch, ich wurde noch nie kontrolliert, brauchte auch noch nie einen Ausweis zu zeigen oder irgendwelche Fragen zu beantworten.

Als ich dem Polizisten, der offensichtlich für den Stau verantwortlich war, langsam näher kam, senkte ich schon mal die Scheibe, machte das Radio aus und setzte ein freundliches Gesicht auf.

Als ich neben ihm zum Stehen kam, beugte er sich runter und fragte mich durchs Fenster: "Wo kommen Sie jetzt her?"

Und ich so: "Aus Frankreich."

Jetzt hätte er eigentlich sagen müssen: "Wollen Sie mich verarschen?"

Stattdessen fragte er, was ich da gemacht hätte. Ich sagte: "Einkaufen."

"Und was?"

"Lebensmittel."

"Okay, Sie können weiterfahren."

Naja, der wird das auch noch lernen, die Guten von den Bösen zu unterscheiden.

Samstag, 13. Januar 2018

Tot in der Badewanne

Der Satz von Michel Houellebecq ("Der Künstler ist immer einer, der ebenso gut gar nichts tun könnte, der allein mit der Versenkung in die Welt und einer damit verbundenen vagen Träumerei zufrieden wäre") ist in ganz anderer Richtung revolutionär als es zunächst scheint.

Besagt er doch weniger über die Kunst und die Künstler also solche, sondern vielmehr etwas über deren unbedeutende Rolle in der Geschichte und Philosophiegeschichte.

Sie ist tatsächlich gleich null. Ein Gemälde ist dekorativ wie eine Tapete. Es und sie hatten nie einen Einfluss auf den Lauf der Geschichte.

David Tod des Marat

Davids Gemälde "Der Tod des Marat" hat genauso wenig zur Französischen Revolution beigetragen wie das Theaterstück von Peter Weiss.

Weiss Marat Charenton Sade

Man kann sich als Schriftsteller selbst optimieren und schöne Theaterstücke schreiben, aber die Welt verändert man damit nicht.

Jean-Paul Sartre hatte die Diskussion um die Wirkung von Literatur darauf reduziert, dass es darum gehe, dass Literatur engagiert sein müsse. Kunst um der Kunst willen (L'Art pour l'art) sei konterrevolutionär.

Aber Literaten und andere Künstler können so engagiert sein wie sie wollen. Politisch wirksam sind und bleiben so langweilige Texte wie Parteiprogramme, Gesetze und Twitter-Meldungen.

Laut Houellebecq gibt es seit Schopenhauers Tod 1860 nichts Neues in der Philosophie und Geistesgeschichte. Der Mensch wird in eine schlechte Welt geboren und stirbt in einer ebensolchen.

Freitag, 12. Januar 2018

Abt. Kunst, Literatur & Philosophie

Konnte mal wieder nicht einschlafen und habe ein neues Buch angefangen.

Michel Houellebecq, In Gegenwart Schopenhauers

"Der Künstler ist immer einer, der ebenso gut gar nichts tun könnte, der allein mit der Versenkung in die Welt und einer damit verbundenen vagen Träumerei zufrieden wäre."
Michel Houellebecq, In Schopenhauers Gegenwart

Samstag, 6. Januar 2018

Leatherhead - Eine Aneignung

Wenn ich das Wort Leatherhead schreibe, dann eigne ich mir das Wort sowie das, was es bedeutet, an. Leatherhead und ich gehören ab jetzt zusammen, haben irgendetwas miteinander zu tun, Leatherhead gehört mir oder zumindest zu mir.

Es ist ein Ort in der Nähe von London, wenn man davon ausgeht, dass in England sehr viele Orte in der Nähe von London liegen, so wie in Belgien alle Orte in der Nähe von Brüssel liegen.

In Leatherhead war ich 1967. Ich fuhr mit den beiden Töchtern des Hauses in ihrem Mini Cooper durch den Ort. Die Mädchen gehörten zu dem Haus bzw. zu den Eltern, wo und bei denen ich 1966 zwei Wochen lang wohnte, um Englisch zu lernen.

Ich weiss nur noch, dass wir durch den Ort Leatherhead fuhren und dass an dem Abend irgendwo irgendeine Party stattfinden sollte.

Ich sehe noch eine Strasse, vermutlich die Hauptstrasse, die durch den Ort führt. Und ich sass auf dem Rücksitz des kleinen Mini Cooper, dessen Lenkrad sich auf der Beifahrerseite befand.

Der Ort Leatherhead ist ein Ort auf der britischen Landkarte; und da ich seinen Namen genannt und irgendetwas darüber gesagt habe, was ich mit diesem Ort verbinde, habe ich ihn mir angeeignet.

In gewissen Sinne gehört der Ort also mir. Es ist mein Ort. Es ist einer meiner Orte. Ich kenne noch viele andere Orte, die mir gehören.

Sehr viele davon sogar sehr viel mehr als Leatherhead.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Serien machen süchtig

Es gibt da so einen Witz, wo ein Mann an einem Cola-Automat steht, eine Münze einwirft und dann eine Cola-Dose herausnimmt. Noch bevor er diese öffnet, wirft er die nächste Münze ein und erhält wieder eine Dose Cola. Das geht so weiter, so dass er drei, vier, fünf und immer mehr Getränkedosen erhält.

Als er von einem Vorbeikommenden gefragt wird, warum er denn so viele Dosen Cola kauft und noch nicht eine davon geöffnet und getrunken hat, antwortet er: "Es läuft grad so gut, ich hab 'ne Erfolgsserie!" Das ist typisch menschliches Verhalten.

Mein alter Freund Rudi pflegt auf die Frage, was er besonders gerne isst, scherzhaft zu antworten: "Ich mag eigentlich alles, Hauptsache es ist immer das gleiche."

Wir suchen ständig nach Kontinuität, nach Wiederholungen und Ritualen. Alles soll möglichst endlos so weitergehen, bloß nicht aufhören. Es ist die Angst vor dem Tod, die Formeln wie "ewiges Leben" und Treue "bis dass der Tod euch scheidet" propagiert.

Die TV-Verantwortlichen kommen dem menschlichen Suchtverhalten entgegen, indem sie jedes Jahr an Weihnachten und Silvester alte Erfolgsschinken wie "Dinner for one", "Der kleine Lord" oder "Die Feuerzangenbowle" wiederholen.

Trithemius schreibt dazu in einem Blogeintrag: "Das Kindische Hören und wieder Hören des immer Gleichen rührt an eine anthropologische Konstante überhaupt, die ihren Urgrund in der ständigen Wiederkehr von Ebbe und Flut hat und deren Echo wir im lustvollen Hin und Her des Geschlechtsakts finden."
https://trittenheim.wordpress.com/2018/01/01/teestuebchen-humorkritik-zum-neuen-jahr/

Mag da kommen, was will: "The show must go on."

"Mehr, mehr!" rief der kleine Häwelmann.

Sonntag, 31. Dezember 2017

Dinner for all

Gefunden bei Dorothea Wagner

dinner_for_all

einschliesslich Text zum Thema Vegetarismus und Kommentar dazu von mir. Hier:
https://textundsinn.wordpress.com/2017/12/31/dinner-for-one/

Freitag, 22. Dezember 2017

Mutters Sprache

Aus mir bricht zunehmend meine Mutter hervor. Wie soll ich das erklären?

Während mir von den Sprüchen meines Vaters auf Anhieb nur "Druck erzeugt Gegendruck - alter militärischer Grundsatz" einfällt oder "Die sollte man alle an die Wand stellen", habe ich von meiner Mutter jede Menge Sprüche für alle Lebenslagen auf der Festplatte.

Sie kommen bei mir mit zunehmendem Alter immer mehr zum Einsatz, wie ich finde. Sei es in meinen Gedanken und Gesprächen, sei es in bestimmten Lebenssituationen, zu denen sie mir einfallen.

"Man hat's nicht leicht, aber leicht hat's einen." Das ist eine allgemeine Lebensweisheit mit vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.

Speziellere Anwendung finden dann Sätze wie "Man muss das Säckle auch mal zubinden, wenn's noch nid voll isch" oder "Der Aufpasser isch auch schon die Trepp nunter gfalle". Es hat sich halt keiner selber gmacht.

Soll mir niemand sagen, dass ihm das nie passieren könne. Denn: "Bürschle, Du kommsch auch noch an Schmiersbacks-Eck vorbei!"

Dienstag, 19. Dezember 2017

Heute Mittag in Kembs

Mit Lilli heute im "Le Petit Kembs" in Kembs (F)
Zur Feier des Tages hat meine Frau mich in unser Lieblingsrestaurant in Frankreich eingeladen
Vorspeise Wrap mit geräucherter Entenbrust
Als Vorspeise gab's Wraps mit geräucherter Entenbrust, als Hauptgang Kalbsbraten und als Dessert...

Dessert Crème brulée, 1x Vanille, 1x Chicorée
...zwei Crèmes brulées, eine mit Vanillegeschmack wie üblich (rechts) und eine mit Chicoree (links)!


http://www.lepetitkembs.fr/

Aktuelle Beiträge

Alkohol? Zigaretten?...
Als ich gestern vom Einkaufen aus Frankreich zurückkam,...
Schreibman - 16. Jan, 01:37
Tot in der Badewanne
Der Satz von Michel Houellebecq ("Der Künstler...
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Danke, Rosenherz,
schön, mal wieder von Dir zu hören. Liebe...
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1966 - Da waren meine...
1966 - Da waren meine Eltern erst kurz verheiratet....
rosenherz - 12. Jan, 02:53


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