Samstag, 18. Februar 2017

Semiotischer Kakaofleck

Roman

Das ist mir noch nie passiert. Dass ich in einem nagelneuen 500-Seiten-Hardcover-Buch einen Fleck mache. Auf Seite 28. Durch den Versuch, ihn wegzuwischen, wurde er eher noch grösser.

Für einen zukünftigen Leser könnte dieser Fleck ein Zeichen sein, das ihn darauf hinweist, dass das Buch von einem nicht sehr reinlichen Leser gelesen wurde. Er macht sich dann also darauf gefasst, bei der weiteren Lektüre auf weitere Flecken, Eselsohren und ähnliche Dinge dieser Art zu stossen.

Die Semiotik befasst sich nicht nur mit Sprache, sondern auch mit Verkehrszeichen und Gesten und überhaupt allem, was nicht nur eine Bedeutung hat, sondern auf etwas hinweist. "Der Mensch ist eine Übersetzungsmaschine und (...) sieht (...) überall Zeichen: in der Farbe des Mantels seiner Frau, in den Kratzern an seiner Autotür, in den Kochgewohnheiten der Wohnungsnachbarn, (...) in der Angewohnheit seines Kollegen im Büro, die beiden oberen Hemdknöpfe offen zu lassen."

"Nach Barthes bedürfen diese Zeichen gar keiner Signalfunktion mehr: Sie sind Indizien geworden. Eine entscheidende Wandlung. Sie sind überall. Von nun an hat die Semiotik das Zeug, die große weite Welt zu erobern."

Binet Sprachfunktion

Der französische Poststrukturalist und Semiotiker Roland Barthes verfasste unter anderem den literaturtheoretischen Aufsatz "Der Tod des Autors" (La mort de l'auteur) und wurde 1980 in Paris unter teilweise ungeklärten Umständen von einem Lieferwagen überfahren.

Auf Seite13 beschreibt der Autor Laurent Binet, wie Barthes "sozusagen das Gegenteil des Höhlengleichnisses" erlebt, als er beschleunigten Schrittes den Boulevard-Saint-Germain entlanggeht: "Die Welt der Ideen, in der er sich eingeschlossen hat, verdunkelt ihm die wahrnehmbare Welt. Um sich herum sieht er nur Schatten."

Bin jetzt erst auf Seite 32, wo Kommissar Bayard an einer Ampel steht und einen schwarzen Citroën DS sieht und denkt: "Déesse, die Göttin - das war noch ein richtiges Auto!"

Aber eins weiss ich schon. Werde das Buch nicht verleihen. Möchte schliesslich nicht für Schmuddel-Leser gehalten werden. Gibts auch als E-Book bei Kindle. Garantiert ohne Flecken.

Laurent Binet Die siebte Sprachfunktion

Alles frisch!

Bis zu unserem Geschwistertreffen vor einer Woche in Wolfach hatte ich es ja leider nicht mehr geschafft, zum Friseur zu gehen. Schwestern sind dann unerbittlich in ihren Kommentaren, zumal mein jüngerer Bruder so eine moderne Frisur mit einem Schwänzchen hinten hatte. Deswegen habe ich jetzt eine Schachtel Pralinen dazu genutzt, mich mit einem neuen Foto per Whatsapp bei meiner Tochter zu bedanken.

Manons
Les Manons nouveaux sont arrives!
Merci Candy!

Manons sind die ganz besonderen belgischen Buttersahne-Pralinen, die nur so gut schmecken, wenn sie noch ganz frisch sind. Wenn man sie im Internet bestellt - das bringt nichts. Meine Tochter hat sie beim Chocolatier artisanal Ch. Florent in Fosses-la-Ville gekauft und mir per Post geschickt. Als Dankeschön für, naja, nicht der Rede wert.

Freitag, 3. Februar 2017

Running gags und Insiderkommunikation

Lilli erzählt mir manchmal von ihren Arbeitskollegen und neuerdings ist da wohl eine ganz süsse Engländerin. Verheiratet mit einem Franzosen. Sie hätte einen typisch englischen Akzent, wenn sie deutsch spricht.

Ich stelle mir das dann ein bisschen vor, was das für ein schnuckeliges Paar ist. Eine Engländerin und ein Franzose in Deutschland. Eine Britin, die französisch spricht, das hört sich ziemlich sexy an. An zweisprachigen Damen dieser Art kenne ich nur Jane Birkin und Charlotte Rampling, die ja auch ein bisschen was Verruchtes haben.

Lillis Kollegin soll dagegen eher etwas Engelhaftes haben, also nix mit verrucht. Aber halt eine schöne sprachliche Situation bei denen, wie ich einfach mal vermute. Obwohl, wenn ein Franzose Englisch spricht - naja, lassen wir das.

Auch meine Frau und ich haben so unsere ganz eigenen sprachlichen Situationen und Gepflogenheiten, die ich sehr liebe, auch wenn sie nicht unbedingt mit Fremdsprache oder Akzent zu tun haben.

Bei uns sind es ganz bestimmte Dinge, bei denen wir gemeinsam ticken und uns auch durchaus wortlos verstehen und nur kurz anzusehen brauchen, um zu wissen, was wir meinen.

Zum Beispiel, wenn wir zwei oder drei Folgen von "Um Himmels Willen" hintereinander schauen. Diese Serie, von denen Wikipedia nur einen einzigen running gag erwähnt, ist richtig voll davon. Durch die ganze Geschichte zieht sich eine Reihe von running gags, die man zum Teil eben erst wahrnimmt, wenn man sich die ganze Serie in kürzeren Abständen reinzieht statt nur eine Folge pro Woche.

Lilli achtet dabei mehr auf Continuity-Fehler und ich auf sprachliche Ticks, wenn zum Beispiel die Wirtin im Ochsen immer wieder fragt "Und was ist jetzt mit dem Rehbraten?" oder "Und was ist jetzt mit dem Weissbier?". Lilli fällt auf, wenn nach einem Schnitt eine Nonne eine Haarsträhne etwas anders liegen hat als noch gerade eben.

Die running gags sind dabei so zahlreich, dass man eine Seminararbeit drüber schreiben könnte. Wie der Bischof immer so scharf auf Agnes' selbstgebackene Kekse ist. Bei Agnes gibt es auch immer Grünkernsuppe und alles ist biologisch dynamisch. Und sie weiss immer nie, was gerade läuft, denn "mir sagt ja keiner was". In fast jeder Folge.

Literaturagent Stolpe hat immer ein etwas irres Lachen, wenn er Schwester Hildegard, der "Schwester Brille", wie Kinder sie nennen, davon erzählt, wie er dem Verlag deren Krimi-Manuskripte verkauft, lektoriert oder mit Senderechten verkauft oder bittet, vielleicht noch "ein bisschen sexyier" zu schreiben.

Um Himmels Willen Poster

Macho Wöller, der Bürgermeister von Kaltenthal, liebt heimlich die "Obernonne" und seine Sekretärin, mit der er das Handygespräch beginnt, sobald er vor dem Rathaus aus dem Auto steigt und erst beendet, wenn er schon an ihr vorbei an seinem Schreibtisch angekommen ist und seinen Kaffee und Käsekuchen bekommt.

Wegen seiner heimlichen Liebe geht er zu einer Therapeutin, was ihn aber auch nicht weiterbringt. Er ist und bleibt ein richtiges sympathisches Arschloch und wird auch von der Obernonne und seiner Sekretärin gegengeliebt, was er aber nicht weiss.

Sonntag, 29. Januar 2017

Schreibman produziert sich

Was haben wir denn zu bieten in diesen Zeiten, in denen anscheinend alles, was gedacht werden kann, gedacht und alles, was geschrieben werden kann, geschrieben wurde, ausser unserer Einzigartigkeit?

Warum ich heute anders blogge als vor zehn Jahren; was ich an Frankreich liebe und was an Deutschland; wer mich gestern angerufen hat; was mich im Innersten zusammenhält; und wo ich mich einkleide.

Walbusch


Und unsere Melancholie im allgemeinen Trubel der Gesellschaft, in der wir alle irgendwo und letztlich fast überall ausgegrenzt sind.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Wieder einem Verbrechen entkommen

Als ich heute auf dem Edeka-Parkplatz den Einkaufswagen wieder abgestellt hatte und in mein Auto stieg, sprach mich ein Mann in schlechtem Deutsch an. Ob ich ihm eine 2-Euro-Münze in zwei 1-Euros wechseln könne.

Ich stand noch halb in der geöffneten Wagentür und sagte ja, kein Problem. Ich setzte mich auf den Fahrersitz und nahm die zwei gewünschten Münzen aus einer Ablage auf der Mittelkonsole, wo ich immer ein paar davon griffbereit habe. Die wollte der Mann aber gar nicht haben, wie mir erst hinterher klar wurde.

Er meinte plötzlich, er könne es ja auch mit seiner 2-Euro-Münze probieren. Natürlich nehmen diese Einkaufswägen auch solche Münzen. Ich hatte inzwischen die Fahrertür geschlossen, als der Typ schon wieder auftauchte, mit einem Einkaufswagen, und ans Fenster klopfte.

Jetzt wurde es mir zu bunt. Was wollte er denn noch? Vorsichtshalber drückte ich die Zentralverriegelung und liess das Fenster etwa ein Drittel weit runter. Er hielt einen 10-Euro-Schein in der Hand. Ob ich den in 2 Fünfer wechseln könne.

Ich sagte nur nein, leider nicht. Und ein zweites Mal und etwas energischer "neieeeeennn", als er frech noch mal nachfragte.

Der wollte wohl unbedingt, dass ich meine Brieftasche zücke.

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Mein Foto der Woche

Ingrid
Gestern in Giengen an der Brenz
Ingrid erklärt Schreibman
die Bestimmung des Flächeninhalts
mit Hilfe von Treppenfiguren

Ich musste dem allerdings widersprechen. In der Formel zur Berechnung kam "n" als nach unendlich "tendierend" (!) vor. Da dies kein exakter Wert ist, kann auch keine exakte, sondern höchstens eine "annähernde" Berechnung des Inhalts einer Fläche erfolgen, deren eine Seite eine "gekrümmte Gerade" (!!) bildet. Das wollte sie mir einfach nicht glauben.

Mathematisches Forschungsinstitut Oberwolfach
Da in der Nähe habe ich mal gewohnt

Montag, 19. Dezember 2016

Schokolade ist Gottes Entschuldigung für Brokkoli

Nach einer Woche Darniederliegens wegen Sturz auf den Hintern habe ich mich heute wieder aufgerappelt. Will doch dabeisein, wenn ich das Rentenalter erreiche.

Muttis Schokokekse
Lebkuchen und Schokokekse
Von meiner jüngsten Schwester erreichte mich grade dieses Päckchen mit Weihnachtskeksen nach Rezept unserer Mutti

Dienstag, 13. Dezember 2016

Wenn Sardinen in die Jahre kommen

Während Frankreich zum Jahresende hin ganz unter dem kulinarischen Vorzeichen der "Foie Gras" (Gänsestopfleber) steht, hat Schreibman soeben eine andere und wesentlich preiswertere Delikatesse (wieder-)entdeckt.

1
Ölsardinen schmecken gut,
sind gesund

3
und gibt's schon
ab 0,49 Euro.

4
Sie enthalten

2
Omega-3-Fettsäuren,

6
Vitamin B12 und

7
hochwertiges Protein.

8
Sie lassen sich
überallhin mitnehmen,

5
brauchen keine Kühlung und

12
sind leicht zu öffnen.

9
In Frankreich

11
gibt es sogar

10
regelrechte

13
Jahrgangs-Ölsardinen
(sardines millésimées).

Freitag, 9. Dezember 2016

Nacht der langen Gedanken

"Nein, ich bin nur aufgekratzt", beantwortete ich die Frage meiner Frau. Ich war bis drei Uhr wach im Bett gelegen, dann nochmal für eine Stunde aufgestanden, um endlich um vier den zweiten Anlauf zum Schlafen zu machen. Diesmal klappte es und ich schlief von vier bis neun, fünf Stunden lang. Das reichte.

"Hast Du eine Schlechte-Laune-Pille geschluckt?" war die Frage meiner Frau gewesen. Nein, ich war nur aufgekratzt, hatte mir die ganze Nacht alles mögliche durch den Kopf gehen lassen, was alles zu tun ist. In der Wohnung. Am Computer. Mit dem Handy. Mit einem Dienstleister. Mit unseren beiden Familien. Urlaubspläne. Bisschen viel für eine Nacht.

Das einzige, worüber wir nicht sprachen, waren unsere beiden Autos. Prima.

Mit dem einen, meinem, fuhren wir dann zu unserem derzeitigen Lieblingslokal zum Essen. Ich hatte mich nach den einzelnen Gesprächsthemen und einvernehmlichen Lösungen allmählich wieder beruhigt. Wir assen entspannt und konnten es richtig geniessen. Es gab nichts auszusetzen.

Das für mich im Moment vordringlichste hatten wir schon erledigt. Nach meinem Anruf den Rentenantrag eingetütet, zur Post gebracht und als Einschreiben nach Brüssel geschickt. Wo ich 20 Jahre lang eingezahlt hatte.

Jetzt werde ich es etwas ruhiger angehen lassen. Nicht mehr alles in einer Nacht erledigen.

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