Sonntag, 4. Dezember 2016

Aprilfisch hat wieder zugeschlagen

In meinem vorigen Eintrag hatte ich ja ganz nebenbei bemerkt, dass Herr Aprilfisch alles weiss. Alles. Der Mann ist ein Wunder und ich mache aus meiner Bewunderung keinen Hehl. Er hat schon früher mehrere Anfragen von mir bei wer-weiss-was schnell und ausführlich beantwortet.

Heute Nachmittag bin ich bei dem schönen Wetter durchs Elsass nach Breisach gefahren und sah auf vielen Felder so lange gelbe Mauern, die sich bei näherem Hinsehen als mit Maiskolben gefüllte Gitterbehälter erwiesen.

Maiskäfig im Elsass

Ich schrieb also wieder an wer-weiss-was und erhielt umgehend mehrere Antworten, wovon die beste natürlich wieder die vom Aprilfisch war. Untermauert durch ein Foto. Woher er alle diese Informationen so schnell aus dem Hut gezaubert hat, ist mir ein absolutes Rätsel.

Hier der Link zu meiner Anfrage mit den bisher 14 Antworten von 4 Autoren (Stand 2 Stunden nach dem Posten, 47 Lesungen).

http://www.wer-weiss-was.de/t/landwirtschaft/9397037

Bei Twitter habe ich einfach mal die Frage gestellt, ob ich da in ein Wepennest gestossen habe. Man gönnt sich ja sonst nichts.

https://twitter.com/DerSchreibman

Samstag, 3. Dezember 2016

Wer ist Onkel Hansi?

Onkel Hansi

Diese Frage stellte ich vor einigen Tagen dem allwissenden Herrn Aprilfisch und erhielt folgende Antwort.

Salü, long time no read!

Onkel Hansi hat seinen 'Professor Knatschke' (in der Tat eine Satire, von der bissigeren Sorte) auf Deutsch geschrieben, und das Werk wurde ins Französische übersetzt.

Waltz war in erster Linie alemannophoner Elsässer: Kein Möchtegernfranzose, kein Zubefehlreichsdeutscher. Er wurde geboren in einem frisch vom Deutschen Reich annektierten Elsaß, und als es 1918 wieder erlaubt respektive befohlen war, im Elsaß französisch zu reden, war er bereits 45 Jahre alt - was seinem beißenden Spott und der Verachtung, die er den preußischen Usurpatoren entgegen brachte, keinen Abbruch tat. 'Professor Knatschke' ist eine Abrechnung eines elsässer Buben mit den preußischen Eroberern, die ihn in ihr Reich zwingen wollen. Nach dem "Désastre" 1940 wurde der in den Südwesten geflohene Waltz in Agen von Gestapo-Beamten aufgespürt, die den Endsechziger nur liegen ließen, weil sie glaubten, sie hätten ihn totgeschlagen - so sehr kann man vor einem Zeichenstift Angst haben.

Knatschke

Onkel Hansis Werk liegt doch schon ein paar Generationen zurück. Einen leichteren Zugang von heute aus findet man à travers Ungerers "Die Gedanken sind frei. Meine Kindheit im Elsass. Diogenes, Zürich 1993, ISBN 3-257-23106-7". Wie stark die Wirkung von Oncle Hansi auf die elsässer Jugend war, sieht man an den dort abgedruckten Zeichnungen von Ungerer als Schulbub - in dem bösen Spott, mit dem der zehnjährige Tomi z.B. eine Abteilung Wehrmacht beim Essenfassen zeichnet, erkennt man sofort die Handschrift von Waltz. Ungerer - im Gegensatz zu Waltz vollständig dreisprachig Alemannisch - Französisch - Deutsch - hat übrigens eine französische Version des Buches mit etwas abweichendem Text veröffentlicht - er erklärt jeweils dort etwas mehr, wo den Leuten aus dem jeweils anderen Land der Zugang zum Elsaß etwas schwerer fällt.

Hansi

Ziemlich kommerziell aufgezogen, aber allemal einen schönen Überblick zum Werk von Waltz gibt es im (privaten) "Musée Hansi" gleich schräg gegenüber der Maison des Têtes in Colmar. Den Zugang zum "Geist" Hansis allerdings eher im Tomi-Ungerer-Museum in Strasbourg. Allein schon der Videoclip ist den Besuch wert, in dem er schildert, wie er (angeblich) zum Zeichnen gekommen ist: 'Als die Deutschen 1940 im Elsaß eingefallen sind, haben sie aus der Schulbibliothek alles verbannt, was französisch gedruckt war. Und als uns die Franzosen 1945 befreit hatten, haben sie alles hinausgeworfen, was deutsch war. Danach war die Bibliothek leer, also blieb mir nur der Zeichenstift."

Elsass

Der Onkel Hansi ist 1951 gestorben, daher kann man die Rechte an seinem Werk heute für lau erwerben. Kanada ist dennoch interessant - schau mal, von wann genau die Ausgabe oder deren Vorbild ist: Professor Knatschke ist 1912 erschienen, als im Elsaß nichts auf Französisch gedruckt werden durfte und Europa im Geist bereits in Richtung Ypern und Verdun marschierte.

Der Preis von 280 Euro spricht für eine Erstausgabe, möglicherweise signiert oder in sehr gutem Erhaltungszustand. Damit würde ich mich aber, wenn es um den Inhalt des Buches geht, nicht abgeben.

Schöne Grüße

MM

Zitat aus meiner Anfrage bei
http://www.wer-weiss-was.de/t/wer-weiss-mehr-uber-hansi/9396614?u=schreibman

Hansi alias Jean-Jacques Waltz
Als Deutscher geboren, als Franzose gefühlt. Der Elsässer Jean-Jacques Waltz gab sich das Pseudonym Hansi.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Bewaffnete Sarotti-Mohren und andere Originale

Die Abenteuer von Tintin et Milou (Tim und Struppi) habe ich ja alle gelesen, in den 1980er Jahren.

1

In einer TV-Doku über den belgischen Autor und Zeichner Hergé wurde neulich darauf hingewiesen, dass die Geschichte von den Juwelen der Castafiore insofern die beste von allen sei als darin das gesamte Personal auftritt. Dies in einem Schloss in der belgischen Wallonie, unweit des Ortes, in dem Hergé gelebt hatte. Und einige Jahre auch ich.

Habe mir das Album dann nochmal besorgt und stellte mit gewisser Be- und Verwunderung fest, dass es da einige Passagen gibt, bei deren Lektüre ich mir automatisch die Frage stellte: Wie mag der deutsche Übersetzer damit umgegangen sein? Ich kaufte mir also auch die übersetzte Version.

2

Ohne mich lange mit den verschiedenen Bezeichnungen aufhalten zu wollen, mit denen zu Beginn der Geschichte eine durchreisende mobile ethnische Minderheit bezeichnet wird. Es gab ja noch keine political correctness und so bezeichnet speziell Kapitän Haddock sie als Tziganes, Zigeuner, Romanichels, Vauriens, Chapardeurs, Langfinger, Hühnerfänger, Bohémiens oder Zouaves. Letztere, die Suaven, heissen in der deutschen Version schlicht "Kerle".

Ich musste mir erst mal ergoogeln, dass dieser Begriff, der später zu einer Art Schimpfwort geworden ist, früher die korrekte Bezeichnung für aus Nordafrika rekrutierte Söldner war, die mit ihren auffälligen Uniformen ein bisschen wie bewaffnete Sarotti-Mohren aussahen.

Sprachlich ziemlich lustig finde ich nach wie vor die Herren Dupont et Dupond beziehungsweise Schulze und Schultze.

7
Hier (S. 28) wurden die Anfangsbuchstaben von "meilleurs vœux" vertauscht

3
und werden (S. 30) zu "westen Bünschen". Ok, nicht schlecht. Ich würde sogar sagen: schlicht, necht?

8
Aus (S. 37) "freiné" (gebremst) wird "treiné" (getrödelt)

4
Im Deutschen (S. 39): zu brät gespemst.

91f
(S. 38) flombs pondu = plombs fondu = Sicherungen durchgebrannt

5d
(S. 40) Phantasieloser Übersetzer kann oder will die vertauschten Buchstaben nicht ins Deutsche rüberbringen und schreibt nur "Sicherungen durchgebrannt"

92f
Wortspiel (S. 38) "Chanteuse" (Sängerin) - "Enchanté" (angenehm) übersetzbar?

51d
Sicher nicht (S. 40) mit "angenehm" und "hallo"(!)

93f
(S. 38) "bougies" (Kerzen) und "bijoux" (Juwelen) werden zu

52d
(S. 40) "Jewulen" und "Juwelen". Schwach. Ich würde sogar sagen: sehr schwach!

10
Schliesslich (S. 46) kommt unser schwerhöriger Professor Tournesol (Bienlein) ins Spiel

6
(S. 48) Und versteht nur Bahnhof

Wer den Schmuck gestohlen hat, wird hier natürlich nicht verraten.

2d

Montag, 14. November 2016

Der Blinddarm-Effekt


Das Video, das ich per Whatsapp erhielt, war so ganz anders als die üblichen Witzchen, die sich viele Leutchen dauernd hin- und herschicken. Es handelte von, ja wie soll ich das ausdrücken? Ich möchte es am liebsten nicht allzu vorschnell verraten, weil sonst viele Leser denken könnten: "Was interessiert mich Spanien? Was interessieren mich Mandarinen, Clementinen oder Apfelsinen?" oder "Was interessieren mich Maden?"

Nun, damit habe ich erst die Hälfte dessen verraten, was ich heute mal sagen will. Es geht mir nämlich um etwas ganz anderes. Und das geht uns alle an. Sogar mich, der ich obstmässig zur Zeit nur Trauben esse. Doch halt, Moment, was haben Trauben mit Zitrusfrüchten und mit mir zu tun? Und letztlich mit uns allen, auch mit denen, die beispielsweise gar kein Obst essen?

Es geht nämlich um etwas ganz Mentales. Ralph Bischoff aus Bremen ist der Entdecker dessen, was er dann als Blinddarmeffekt bezeichnet hat. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, dass ich komplett alles verstanden habe, was er damit genau meint. Aber heute glaube ich, ihn gehabt zu haben, diesen Blinddarm-Effekt. Auch wenn ich mich letztlich zumindest in einem Punkt ganz eindeutig geirrt habe. Und zwar, was Spanien betrifft.

Ich hatte ja noch nie spanische Trauben gegessen, weil ich einfach die französischen und italienischen vorziehe. Weil, da war ich da schon mal, wohne näher dran und habe sogar schon mal zwei Wochen auf einem italienischen Weingut gearbeitet.

In Frankreich war ich Samstag nicht und im Edeka gabs nur spanische. Da habe ich halt ausnahmsweise mal die genommen. Um das Wochenende nicht gänzlich traubenlos verbringen zu müssen.

Und dann sehe ich in diesem Video, wie da jemand eine orangefarbene Frucht aufgeschnitten und lebende Maden rausgepult hat. Das können weder französische noch italienische sein, dachte ich gleich. Auch wenn sich die Franzosen schon mal an Froschschenkeln, Fettlebern von Gänsen und Schnecken delektieren. Für Mandarinen sind sie ja eigentlich weniger bekannt und Maden mögen sie schon mal gar nicht.

Die Person in dem Video sagte, sie habe schon die Hälfte von der Frucht gegessen, bis sie auf die Maden gestossen sei.

Von den spanischen Trauben habe ich noch die Hälfte in der Küche stehen. Aber die sind bestimmt einwandfrei.

Und morgen muss ich ja sowieso wieder nach Frankreich.

Donnerstag, 10. November 2016

A gray day in America

streeck wiesbaden
Mein Schulfreund Jürgen Streeck (rechts)
1963 in Wiesbaden, heute Professor
für Kommunikationswissenschaft
in Austin (Texas)

9.11.2016

Ihr Lieben,

es ist ein grauer Tag in Austin. Über der Stadt liegen tiefe Wolken, gestern ist es kalt geworden, und es nieselt unablässig. Der Campus ist leer, und man sieht in dieser jungen und optimistischen (und heute gähnend leeren) Stadt außer ein paar lachenden weißen Frauen nur graue Gesichter. Auf dem leeren Campus stehen weinende Gruppen von Studenten herum, und viele haben Angst. Aus meinem graduate seminar hat sich mehr als die Hälfte krank gemeldet und ich habe es ausfallen lassen. Mein deutsch-schweizer Freund Peter und ich wollten eigentlich zur großen Siegesparty der demokratischen Partei ins Driskill Hotel gehen, sind dann aber wegen des strömenden Regens — und dann wegen der eintreffenden Ergebnisse — zu Hause geblieben. Peter ging um zehn weinend nach Hause.

jürgen streeck
2010 in Neuenburg am Rhein

Meine Reaktion war paradoxer, was ich selbst nicht ganz verstehe. Mit grimmigem Zynismus und beinah ein wenig amüsiert dachte ich, mit meinem Nachwuchs und meinen Studenten vor Augen: du weisst, wo du stehst und was du zu tun hast. Jetzt bloß keine Panik. Wie es der Zufall will, stehen morgen in meiner großen Hip-Hop-Vorlesung, in dem viele schwarze und Latino-Studenten sind, aber sicher auch Trump-Wähler, Rassismus und Black Lives Matter auf dem Programm. Da ist meinerseits doch Ruhe angesagt, irgendwoher muss die jetzt kommen. (Ich bin mir sicher, dies ist nur das erste Kübler-Ross-Stadium, das der Verleugnung.) Mich hat das Wahlergebnis letztlich nicht überrascht: an dem Rassismus vieler weißer Amerikaner konnte kein Zweifel bestehen, an dem der republikanischen Partei auch nicht, und Hillary Clinton ist mit ihrer Selbstgewissheit, dass ihr dieses Amt zusteht, auch schon lange vielen auf die Nerven gegangen. Sie hat die Wahl, wie Ihr sicher alle gelesen habt, bei den Afro-Amerikanern und den Latinos verloren, von denen sie auch meinte, die stünden ihr irgendwie zu (obwohl ihr Gatte mehr schwarze Männer ins Zuchthaus gebracht hat als irgendjemand vor ihm). Trump hat letztlich nur ein Prozent mehr weiße Stimmen bekommen als Romney, also nichts neues an der Front. Eher, dass er auch unter schwarzen und Latino-Männern ganz gut abgesahnt hat.

So schaltet man das Radio von KUT, dem Nachrichtensender, auf den Klassik-Sender um, zieht sich warm an, bleibt zu Hause (wo seit dem Wahltag passend das Internet down ist) und hofft, in seiner eigenen Umgebung umso mehr Wärme zu verbreiten und zu finden. Aber wenn man dann an das Gesindel denkt, mit dem sich Trump in seiner Regierung umgeben wird, daran, dass er durchregieren kann, und dann an den Klimawandel, dann wird man dort doch nicht allzu lange bleiben wollen. Doch wer weiß: die Wahrheit ist ja, dass sich an der bequemen und sicheren Lage von unsereinem am wenigsten ändern wird, noch dazu mit zwei Heimaten und zwei Pässen. Aber jammerschade, daß jetzt wieder die Besucher aus der alten Heimat ausbleiben werden…

Seid umarmt und bleibt am Ball,

Jürgen

gray day

Dienstag, 1. November 2016

Tag- und Nachtgebiete

Weil ich mal wieder nicht einschlafen konnte, stand ich um zwei nochmal auf. Ich setzte mich an den Laptop, las hier und da und landete schliesslich bei Vistaprint, wo ich nochmal nach Visitenkarten sehen wollte. Mir standen 6.864 verschiedene Designs zur Verfügung.

Nicht nur, dass die Auswahl sehr schwierig werden würde. Nein, zuerst musste ich ausser dem Namen auch schon die Berufs- und/oder Firmenbezeichnung eingeben. Was sollte ich eintragen? Privatier? Rentner? Autor? Übersetzer? Dolmetscher? Französischlehrer? Privat-Coach? Experte für Lebensfragen aller Art?

Da ich nicht alles auf eine Karte setzen wollte, hätte ich gleich mehrere Versionen in Auftrag geben müssen. Mit jeweils verschiedenen Logos wie Schreibmaschine oder französischer Flagge. Für Privatier hätte ich überhaupt kein Logo gefunden. Und wozu brauche ich überhaupt x mal 250 Visitenkarten? Mit Prägedruck, Metallic-Effekt oder Spotlack?

Um halb vier stand meine Frau auf, um sich auf die Frühschicht vorzubereiten, für die sie einen gewissen Vorlauf braucht. Ich ging währenddessen wieder ins Bett und stellte mein Tablet auf dem Nachttisch auf TV-Empfang. Als Einschlafhilfe eignen sich am besten Gerichtsshows, weil man da nicht so viel hinsehen muss, weil es praktisch immer dasselbe ist. Nur wenn eine ganz ganz schlechte Laiendarstellerin laut und anhaltend weint, schreit, zittert oder zetert, schalte ich um oder vorübergehend den Ton ab.

In einer der Sendungen mit Richter Alexander Hold sagte der Angeklagte zweimal hintereinander "Ich bete Sie...", bevor der Herr Vorsitzende ihn korrigierte: "Das heisst: Ich bitte Sie". Daran musste ich am Nachmittag noch einmal denken, ich komme gleich darauf zurück.

Am Vormittag war dann nichts Besonderes. Ich machte dies und das, keine Ahnung. Bevor meine Frau von der Frühschicht heimkam, stellte ich noch was zum Essen auf den Tisch. Es gab Grahambrot, Brie de Meaux und Gruyère ("Greyerzer") und Lilli hatte noch eine Gemüse-Quiche mitgebracht. Danach wollte sie sich für zwei Stunden hinlegen und ich fuhr nach Frankreich zum Hyper U.

Auf dem 30 km langen Hinweg hörte ich auf France Info, dass der Dschungel bei Calais, Frankreichs grösster Bidonville (Slum, Elendsviertel, Flüchtlingscamp) jetzt praktisch komplett geräumt sei. Wenn ich Calais höre, muss ich immer daran denken, dass wir da, genauer in Wissant, zwanzig Jahre lang - natürlich nicht am Stück - Urlaub gemacht und jedes Jahr die Fortschritte der Entstehung des Eurotunnels beobachtet haben.

Im Supermarkt in Sierentz kaufte ich Muscat-Trauben und noch ein paar andere Sachen. Alle Kassiererinnen trugen spitze schwarze Hüte. Halloween.

Ich fuhr auf der gleichen Landstrasse wieder heim, auf der absolut nichts los und nichts zu sehen ist. Man kann sein eigenes Wunschtempo fahren, ohne dass einen ständig einer überholt oder dass man selber überholen muss. Es ist einfach keiner da zum Überholen. Man hat die Strasse für sich allein. Das ändert sich auch nicht, wenn man die Dörfer Ottmarsheim und Kembs durchfährt, deren Einwohner sich alle hinter runtergelassenen Rollos verbergen. Was sie da wohl treiben?

Ich musste nochmal an den Unterschied zwischen bitten und beten denken und malte mir folgenden Dialog aus.
"Ich habe sie dann gebittet..."
"Das heisst gebeten..."
"Aber Sie haben doch vorhin gesagt, das heisst bitten."

Manche Pirouetten der deutschen Sprache sind so schwer bis unverständlich, dass sie auch von deutschen Muttersprachlern oft falsch verwendet werden. Zum Beispiel "Ich verbitte mir" und "Ich verbiete mir" wird immer wieder gerne verwechselt.

Am Abend sahen wir uns vier Folgen der TV-Serie "Um Himmels willen" an, bevor wir ins Bett gingen. Heute können wir ausschlafen. Allerheiligen. Aber vorher muss ich noch einschlafen.

Samstag, 29. Oktober 2016

Wieviel Meilen musst Du gehn

Mit meinem Nachbarn Karlheinz, der ungefähr mein Jahrgang sein müsste, hatte ich heute ein kurzes Gespräch über ein langes Leben.

Er hatte ja mal gesagt, dass er älter als Frau Linder werden wolle, die bereits 94 ist und noch täglich mit dem Rollator um den Block fegt. Naja, fegen ist natürlich übertrieben. Wahrscheinlich lag mir das Wort jetzt so nahe, weil mein Gesprächspartner gerade am Fegen beziehungsweise Rechen war, nämlich Laub.

Er mache täglich einen Spaziergang. Und zwar "dahinten rum". Dabei strich er mit einer ausholenden Armbewegung den Bereich mittlerer bis südlicher Schwarzwald ab. Er meinte damit allerdings nur etwa so viele Feldwegkilometer wie zwischen dem genannten Mittelgebirge und unserem Wohnblock liegen und die man in rund einer Stunde schaffen kann, ohne ins Schwitzen zu geraten. Also etwa fünf Kilometer vielleicht.

Da ich meine Runden stets ohne Tacho oder Schrittzähler absolviere, konnte ich mit keinerlei vergleichbaren Zahlen aufwarten. Ich sagte ihm deshalb, dass ich irgendwo gelesen (!) hätte, dass man mit täglich einer Stunde Spaziergehen sein Leben um sieben Jahre verlängert. Wir liessen das mal unkommentiert so im Raum beziehungsweise Garten stehen.

An anderer Stelle hatte ich im übrigen gelesen, dass auch eine halbe Stunde schon sehr gut sei. Also nicht für sieben Jahre, sondern mehr so überhaupt. Soviel Zeit wird ja wohl jeder haben, um zumindest vorläufig überhaupt mal zu überleben.

Ein ganz schlauer Schreiber hatte die Sache für urbaner orientierte Mitbürger in Treppenstufen umgerechnet, so dass man bei schlechtem Wetter das Haus gar nicht erst verlassen muss, wenn man nicht gerade rez-de-chaussée ("Parterre") wohnt.

Treppenwitz
Leider fehlt hier schon mal die Erklärung, welche Treppen man nur dreimal hoch und welche man auch dreimal wieder runter laufen soll.

Werde wohl doch mehr Auto fahren, jetzt im Herbst. Hier in der Oberrheinischen Tiefebene gibt's ja nur selten ein bisschen Schnee oder Glatteis und man kommt schneller voran und weiter rum als zu Fuss.

Und die Treppen muss ich nur einmal gehen. Einmal runter und einmal wieder rauf.

Samstag, 8. Oktober 2016

Happy End oder Ich wollt mal fragen wegen Massage

Beim Zappen war ich unlängst mal bei einer Sendung hängen geblieben, wo von Thai-Massage die Rede war. Ich erfuhr, dass es die seriöse traditionelle und die unseriös-erotische mit Happy End gibt. Da fiel mir ein, dass ich doch mindestens einmal die Woche an so einem Thai-Salon vorbeifahre.

Ich schaute auf deren Internetseite nach, die ganz seriös aussah, und meldete mich telefonisch für einen ersten Termin an. Die Sache erwies tatsächlich als ziemlich seriös und teilweise sogar regelrecht schmerzhaft.

Die Philippinin fand ganz von selbst die verschiedenen Stellen, wo es bei mir zwickte, zwackte oder Lymphdrüsen gebügelt werden mussten.

Thai

Bei der vierten oder fünften Session hörte ich mal einen Laufkunden reinkommen, der mit fester Stimme sagte: "Ich wollt mal fragen wegen Massage."

Dass Du nicht mal wegen Brötchen fragen wolltest, haben wir uns schon fast gedacht, dachte ich so bei mir, ganz sprachkritisch.

"Ja?" sagte die Dame an der Rezeption.
"Naja, was Sie hier so machen."
"Alles", sagte die Dame.
"Auch ..." Und jetzt schoss es mir durch den Kopf: Der will sicher wissen, ob die hier auch mit Happy End machen.

"... Kopf?" vervollständigte er seine Frage. Aha, dachte ich. Kopfmassage. Früher hätte ich da ja eher an einen Friseur gedacht.

"Ja, wir machen alles. Ganzkörpermassage. Akupressur, Reflexzonenmassage, Kräuterstempel, Lymphdrainage ..."

Ja, die machen alles.

Also fast alles.

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