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Sonntag, 12. Februar 2006

Alleinsam

Einsamkeit ist die konsequenteste Form von Individualismus. Zu dieser These und über die Entwicklung eines Lebensgefühls hat Ulf Poschardt ein Buch geschrieben. Die Welt am Sonntag druckte heute einen Auszug.


Da wird mal wieder ein neuer Trend erfunden. Wer unfreiwillig einsam ist, muss sich verhöhnt fühlen. Wer Alleinsein nicht automatisch als Einsamkeit empfindet, braucht solche Bücher nicht. Wer nicht allein sein kann, kommt auch nicht zum Lesen.

Let's live together.

P.S.
Hier habe ich das Thema noch einmal aufgegriffen.

Nachtrag am 8. Mai 2006
Ein Artikel in der heutigen taz bekräftigt mich in der Auffassung, dass das Buch von Ulf Poschardt die Zeit nicht wert ist, die man für die Lektüre opfern müsste. Nichtstun bringt manchmal mehr.

Zu Mariela Sartorius "Die hohe Schule der Einsamkeit - Von der Kunst des Alleinseins" ein Nachtrag vom 24. Mai 2006

Solisten

Solisten kannte ich bisher nur aus der Musik. Dort fanden sie immer meine grosse Bewunderung. Mitspielen und mitmachen, dachte ist, ist leichter. Ausser bei der Bundeswehr. Bei der verbrachte ich zwei Monate, bevor ich als Kriegs- und Gesangsverweigerer anerkannt wurde. "Schreibman, Sie sollen singen, nicht nur den Mund bewegen!" hatte der Spiess mir beim Marschieren zugerufen.

Ich bin eher ein Solist. Ich mache mein eigenes Ding, lebe gern in meiner eigenen Welt, rede und schreibe niemandem nach dem Mund und halte die Klappe, wenn mir nicht nach diskutieren - oder singen - zumute ist.

Wenn aber jemand den Solismus als neue Religion verkünden sollte, bleibe ich lieber Katholik.

Das Buch "Die hohe Schule der Einsamkeit" ist keine Bibel. Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, es mir zu kaufen. Es wurde mir eher von Sympathisanten zugespielt.

Mit der Verfasserin Mariela Sartorius habe ich vieles gemein.

(Zitate aus einem Interview mit Mariela Sartorius) Wir begeben uns beide gerne "auch mal in den Trubel der Geselligkeit", wir sind "lieber mit Erwachsenen als mit anderen Kindern zusammen", wir sind "kein Kind von Traurigkeit", wir haben uns "zu amüsanten Zeitgenossen entwickelt", wir besitzen "Mut. Kraft. Selbstdisziplin. Menschenfreundlichkeit." Wir haben "Freude an geliebten Menschen" und "ausgeprägte soziale Kontakte". Wir sind "sensibel und attraktiv" und besitzen "soziale und emotionale Intelligenz". Wir könnten uns heiraten.

Sartorius' Buch ist in einem heiteren Tonfall geschrieben und durchaus empfehlenswert.

Es enthält amüsante Tipps, wie man sich in bestimmten Alltagssituationen verhalten kann, wie man zu innerer Ausgeglichenheit gelangt, wie man sich aufdringliche Menschen vom Leib hält und mit welchen Tricks man seinen Tisch im Restaurant vor unerwünschten Mitessern schützt.

"Der fröhliche Einzelgänger mag Menschen. Und die Menschen mögen ihn." schreibt Mariela Sartorius, die abwechselnd in München und auf einer abgeschiedenen Alm in Tirol lebt.

Weniger fröhlichen Einzelgängern hat ihr Buch eine Menge zu geben.

Hier das Interview von Gesine von Prittwitz mit Mariela Sartorius



Video eines Interviews mit Mariela Sartorius

Zu Eva-Maria Zurhorst "Liebe Dich selbst - und es ist egal, wen Du heiratest" siehe auch meinen Eintrag Egal ist egal.

Österreich

Neulich schrieb mir ein Lehrer aus Österreich.

"Ich ... versuche, den SchülerInnen Weblogs näher zu bringen. Gleich vorweg: der Erfolg ist gleich null, Weblog ist gegen Handy und Chat keine Größe. Ihren "schreibman" habe ich als Muster (mit Wert) angeführt"

Genau das war Ihr Fehler, Herr Lehrer. Deswegen war Ihr Versuch

"ohne Erfolg. Anscheinend ist Blog nur etwas für Leute mit Mitfühlambitionen."

Auch falsch. Meine Leserinnen und Leser haben keinerlei Mitgefühl mit mir. Naja, ein paar besonders nette Leserinnen mal ausgenommen.

Blogs sind

"nichts für Jugend mit und ohne Zukunft"

schreiben Sie weiter. Also überhaupt nichts für die Jugend? Die meisten Blogschreiber und Leser sind jünger als ich. Auch in dieser Hinsicht bin ich ein schlechtes Beispiel.

"Man liest über Blogs, dass diese mehr oder weniger dem Ego dienen sollen, ich sähe auch Möglichkeiten, Erfahrungen anderer Menschen kennen lernen zu können."

Jetzt haben Sie es auf den Punkt gebracht. Wollen wir nicht alle unserem Ego dienen? Also ich schon. Ich gebe meinen Leserinnen und Lesern auch Möglichkeiten, meine Erfahrungen kennen zu lernen. Diejenigen, die sich dafür interessieren, sind zwar altersmässig oft möglichst weit unter mir. Bis in den Kreis zwölfjähriger Schülerinnen reichen sie aber kaum. Das ist auch besser so, für sie gibt es andere.

Mein Rat an Sie als Lehrer kann nur folgender sein.

Weisen Sie die jungen Leute auf die Gefahren und Lügen im Sektor Chatten hin. Zeigen Sie Ihnen, dass man auf vielen Seiten mehr oder weniger lustige Filmchen und Spielchen sehen kann, dass man dann aber vor dem Computer wie vor einem Fernseher oder Gameboy sitzt, nur dass man noch schneller oder anders zappen kann.

Zeigen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, dass man auch per Handy ein Weblog führen, dass man über die Kommentarfunktionen auch chatten kann. Dass man Kontakte mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten knüpfen kann. Dass man hemmungslos seinem Ego dienen kann, ohne anderen zu schaden.

Zeigen Sie, dass sie ein toller Lehrer sind, Herr Lehrer. Führen Sie doch ein Weblog, in dem Sie Ihren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit geben, Ihnen anonym die Meinung zu sagen.

Da werden Sie sicher einiges über sich erfahren.

Damit werden Sie dann leben müssen.


Ego

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