Sonntag, 3. September 2017

Was haben wir eigentlich früher am Sonntag

Vormittags war Kirchgang, das war klar. Man war sonntäglich gekleidet. Mittags gab es einen Sonntagsbraten oder ein sonstwie sonntägliches Essen.

Der Nachmittag war dann der Knackpunkt. Blieb man in der Familie oder hatte jeder etwas anderes zu tun? Dies änderte sich natürlich auch mit der Zeit.

Ich erinnere mich daran, dass ich im Alter von 13 oder 14 Jahren ein Buch mit deutschen Kurzgeschichten seit 1945 hatte, vermutlich vom Bertelsmann Lesering. Nachdem mir die erste Geschichte ganz gut gefallen hatte, beschloss ich, jeden Sonntag eine weitere zu lesen.

Das tat ich dann auch und markierte jeweils nach der Lektüre der Story den Titel im Inhaltsverzeichnis mit Bleistift. Nach welchem System ich bezüglich der Reihenfolge der zu lesenden Geschichten vorgegangen war, weiss ich nicht mehr.

Dann gab es eine Zeit, als ich 10 oder 15 war, da spielten wir jeden Sonntagnachmittag mit den Eltern Doppelkopf. Ein Freund der Familie gehörte mit zur Runde.

Da die Schwester meines Vaters in Solingen wohnte, also immer ziemlich in der Nähe, ob wir nun in Köln oder Wuppertal wohnten, kam sie oft mit ihrer Tante am Sonntagnachmittag zum Kaffee. Manchmal waren es nicht nur zwei sondern sogar drei tolle Tanten und mein Vater schaute ab 17 Uhr regelmäßig auf die Uhr, ob es nun nicht bald vorbei sei mit diesem sonntäglichen Kaffee trinken und Kuchen essen und dem Geschwätz seiner Schwester.

Einmal wollte ich alleine am Sonntagnachmittag ins Kino. Meine Mutter hielt dies nicht für eine gute Idee. Sie meinte, die Leute, die sich Sonntag nachmittags in der Stadt und insbesondere in der Fussgängerzone herumtreiben, seien keine gute Gesellschaft.

Es gab auch Sonntage, die man fast vollständig am Fernseher verbrachte, um alte Heinz-Erhardt- oder noch schlimmere Filme über sich ergehen zu lassen.

Ich erinnere mich noch gut an einen Sonntagnachmittag in England. Ich war für zwei Wochen in einer Gastfamilie und konnte auch ein bisschen tun und lassen was ich wollte. Als ich nachmittags in die Stadt ging, ich glaube es war in Leatherhead, sah ich Jugendliche, die aus meiner Sicht völlig nachlässig alltäglich gekleidet waren und sich in der Stadt rumtrieben. Das war für mich total un-sonntäglich.

Was ist nun heutzutage typisch sonntäglich? Mir scheint dieser Tag hauptsächlich negativ geprägt durch die Tatsache, dass die Geschäfte geschlossen sind.

Spaziergänger mit Hund und Kindern gab es sonntags schon immer. Das war früher nicht mein Ding und ist es auch heute nicht. Trotzdem trifft man mich seit einiger Zeit auch schon mal im Kurpark; das scheint mir aber keine ideale Lösung.

Jetzt gehen wir erst mal zum Mittagessen in unser Lieblingsrestaurant. Was wir dann am Nachmittag machen? Kaffee und Kuchen bei Brigitte.

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bonanzaMARGOT - 6. Sep, 15:38

sonntage sind für mich untage. aber nicht wegen der schließung der vielen geschäfte, sondern wegen der willkür, dass ein tag anders sein soll als jeder andere. wozu diese regel!?
ich wäre dafür, dass wir als volk über die abschaffung der sonntage abstimmen. da würde nach der umstellung auch einige bürokratie wegfallen.
einen sonntag braucht niemand auf der welt - meine meinung. kurzgeschichten (z.b. von mark twain) kann ich auch wochentags lesen. und auf die alte geschichte mit gott zu verweisen, ist doch hoffentlich schnee von gestern. wir leben nicht mehr im mittelalter...

(selbstverständlich darf sich durch den wegfall der sonntage nicht die anzahl der arbeitstage erhöhen. die menschen können sich dann "ihre sonntage" wie urlaub so legen, wie sie wollen.)

zuckerwattewolkenmond - 6. Sep, 16:41

Ich mag Sonntage,

und zwar gerade deshalb, weil die Geschäfte bis auf Ausnahmen geschlossen sind und generell die Geschäftigkeit auf ein niedrigeres Level gefahren wird. Man merkt es auf den Straßen und an den Geräuschen, so daß die "Sonntagsruhe" wortwörtlich erfahrbar wird. Gerade in der heutigen Zeit, wo Konsum und Ablenkungen aller Art das Leben immer mehr beschleunigen, und dabei auch immer mehr Lärm erzeugen, finde ich es unbedingt notwendig, daß es wenigstens einen solchen Tag gibt, an welchem die inneren Ressourcen Vorrang haben und die Stille unterstützt wird. Denn es ist natürlich symptomatisch für diese Gesellschaft, daß es immer mehr Menschen gibt, die Stille und sich selbst nicht aushalten und deshalb auch sonntags in eine alltägliche Betriebsamkeit fallen möchten und würden. Das ist nicht verwunderlich, wenn man sieht, wie schon Kinder in der Leistungsgesellschaft in einer erschöpfenden Betriebsamkeit erzogen werden. Dabei ist auch Träumen wichtig. Die Sonntage waren früher noch viel ruhiger als heute und bei mir sowieso, da ich aus der DDR komme. Man hat halt wirklich mal die Seele baumeln lassen oder ist mit Freunden und Familie enger zusammengerückt.
Dieser spirituelle Aspekt des Sonntags sollte nicht zerstört werden, indem es ein Tag wie jeder andere wird, denn die Menschen, die nicht bereit sind, sich ihrer inneren Leere zu stellen, werden dabei dann keine Rücksicht auf andere nehmen, da sie es aus ihrer Sucht heraus gar nicht können. Sie sind ja nicht einmal mit sechs Tagen, an denen ihnen alles offen steht, zufrieden, sondern reiben sich an diesem einen Tag, der sie mit unangenehmen Gefühlen konfrontiert. Es gibt aber immer noch die anderen Menschen, für die das innere Leben ebenfalls wichtig ist und die sich nach erholsamen Pausen von Lärm und Betriebsamkeit sehnen, ohne dazu in ein Kloster ziehen zu müssen. Ich finde solche Menschen, mit gesunden seelischen Bedürfnissen solten nicht gänzlich zu Außenseitern gemacht und diese wichtigen und normalen Bedürfnisse ignoriert werden.

bonanzaMARGOT - 21. Sep, 06:30

ich bin dafür, dass die wocheneinteilung abgeschafft wird und die tage im monat einfach nummeriert und abgezählt werden. die freien tage im monat könnte sich dann jeder so legen, wie er wollte, auch die geschäftsöffnungszeiten wären keiner doktrin unterworfen. es gibt das arbeitszeitschutzgesetz, welches freilich eingehalten werden muss.
ich halte nichts von kollektiv aufdoktrinierten ruhepausen.
meine ruhe finde ich auch an sogenannten werktagen, wenn ich frei habe. ich brauche dazu nicht diese aufgezwungene sonntags-tradition.
je nach beruflicher tätigkeiten ergibt sich sowieso ein eigener arbeitsrhythmus - wie z.b. in der pflege, wo man schon immer auch an wochenenden und feiertagen arbeiten musste. where`s the problem?

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