Mittwoch, 3. Januar 2018

Serien machen süchtig

Es gibt da so einen Witz, wo ein Mann an einem Cola-Automat steht, eine Münze einwirft und dann eine Cola-Dose herausnimmt. Noch bevor er diese öffnet, wirft er die nächste Münze ein und erhält wieder eine Dose Cola. Das geht so weiter, so dass er drei, vier, fünf und immer mehr Getränkedosen erhält.

Als er von einem Vorbeikommenden gefragt wird, warum er denn so viele Dosen Cola kauft und noch nicht eine davon geöffnet und getrunken hat, antwortet er: "Es läuft grad so gut, ich hab 'ne Erfolgsserie!" Das ist typisch menschliches Verhalten.

Mein alter Freund Rudi pflegt auf die Frage, was er besonders gerne isst, scherzhaft zu antworten: "Ich mag eigentlich alles, Hauptsache es ist immer das gleiche."

Wir suchen ständig nach Kontinuität, nach Wiederholungen und Ritualen. Alles soll möglichst endlos so weitergehen, bloß nicht aufhören. Es ist die Angst vor dem Tod, die Formeln wie "ewiges Leben" und Treue "bis dass der Tod euch scheidet" propagiert.

Die TV-Verantwortlichen kommen dem menschlichen Suchtverhalten entgegen, indem sie jedes Jahr an Weihnachten und Silvester alte Erfolgsschinken wie "Dinner for one", "Der kleine Lord" oder "Die Feuerzangenbowle" wiederholen.

Trithemius schreibt dazu in einem Blogeintrag: "Das Kindische Hören und wieder Hören des immer Gleichen rührt an eine anthropologische Konstante überhaupt, die ihren Urgrund in der ständigen Wiederkehr von Ebbe und Flut hat und deren Echo wir im lustvollen Hin und Her des Geschlechtsakts finden."
https://trittenheim.wordpress.com/2018/01/01/teestuebchen-humorkritik-zum-neuen-jahr/

Mag da kommen, was will: "The show must go on."

"Mehr, mehr!" rief der kleine Häwelmann.

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http://schreibman.twoday.net/stories/1022642280/modTrackback

C. Araxe - 5. Jan, 23:35

Der kleine Häwelmann wollte indes nicht immer wieder das Gleiche. Mit „Mehr, mehr!” war ja keine Wiederholung gemeint, sondern eine Steigerung, eine Forderung nach einem Mehr, welche über Bisheriges hinausgeht. Zum einen könnte man das zwar als kapitalistische Maxime sehen bzw. als etwas, um immer mehr Ablenkung (oder stumpfe Unterhaltung) zu benötigen. Zum anderen aber wohl mehr als Drang, sich nicht auf Gegebenheiten zu beschränken, also seinen Geist und sein Handeln auf ein Mehr auszurichten und somit den kleinen Revoluzzer bei Storm in seine Schranken zu verweisen und zur Genügsamkeit aufzurufen.

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