Das blaue Zimmer
Es ist strahlender Sonnnschein und blauer Himmel. Habe grade eine Englischstunde gegeben und sitze jetzt im Auto, um zu meiner kleinen Polin zu fahren. Zum Schreiben bin ich kurz rechts ran.
Mit ihr sind es immer anderthalb Stunden. Mal sehen, ob sie auch so schnell vorbei gehen wie die Stunde vorhin. Naja, eine halbe Stunde länger, klar.
Manchmal vergehen auch zwei Stunden wie im Flug, wenn ich gut bin. Danach fühle ich mich immer sehr gut.
Sie wird mir den Roman "Das blaue Zimmer" erzählen müssen, den ich ihr das letzte Mal dagelassen habe. Die erste Seite habe ich mir voriges Mal von ihr vorlesen lassen, um ihre Aussprache zu korrigieren, ohne dass ich vorher wusste, was sie enthielt. Sie hat nicht mit der Wimper gezuckt, wie man so schön sagt.
Vor mir fuhr gerade einer, der hatte auf dem Heckfenster stehen "Offizieller Sponsor der Polizei". Sehr gut.
Halb sechs. Jetzt gehe ich zu ihr rauf.

Ich hab's ja gesagt.
Ich hatte also Recht. Wenn sie wollen, machen wir heute nur eine Stunde, sagte ich. Mal sehen, sagte sie. Ich fand das schon sehr nett, dass sie mir nicht einfach abtelefoniert hatte. Sie hatte am Anfang auch mal sowas gesagt wie, dass es sich für mich wahrscheinlich kaum lohnen würde, die Fahrt nur für eine Stunde zu machen, deshalb die anderthalb.
So, das war heute also nur eine und den Roman hatte sie auch noch nicht gelesen. Ob sie mir weiter vorlesen wolle. Ja. Ich habe ihr dann Wörter wie unwillkürlich, wirr und Mansarde und noch ein paar andere erklärt und hin und wieder ihre Aussprache verbessert.
Auf Widdersän.
Nachtrag
28. März
Als die kleine Polin mir heute was von einer kleinen Nachtti-Schlampe vorlas, geriet ich ganz kurz ins Stutzen. Jetzt fährt sie wieder nach Polen, die kleine. Nein, sie ist eine ganz liebe. Hat mir frohe Ostern gewünscht. Wir waren erst auf Seite 56. Suche eine neue Vorleserin für dienstagsabends. Mache gern einen Preis.





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