Sonntag, 23. Juli 2006

Montaigne

Montaigne schreibt im Vorwort zu seinen Essays

Lieber Leser!
Dies hier ist ein aufrichtiges Buch. Es warnt dich schon beim Eintritt, daß ich mir darin kein anderes Ende vorgesetzt habe als ein häusliches und privates. Ich habe darin gar keine Achtung auf Deinen Nutzen noch auf meinen Ruhm genommen. Meine Kräfte sind eines solchen Vorsatzes nicht fähig. Ich habe es dem persönlichen Gebrauch meiner Angehörigen und Freunde gewidmet, auf daß sie, wenn sie mich verloren haben (...), darin einige Züge meiner Lebensart und meiner Gemütsstimmung wiederfinden und durch dieses Mittel die Kenntnis, die sie von mir hatten, völliger und lebendiger erhalten können.
Hätte es mir gegolten, die Gunst der Welt zu suchen, so hätte ich mich besser herausgeputzt und würde mich in zurechtgelegter Haltung vorstellen. Ich will, daß man mich darin in meiner schlichten, natürlichen und gewöhnlichen Art sehe, ohne Gesuchtheit und Geziertheit: denn ich bin es, den ich darstelle. Meine Fehler wird man hier finden, so wie sie sind, und mein unbefangenes Wesen, soweit es nur die öffentliche Schicklichkeit erlaubt hat. (...)
Und hätte ich mich unter jenen Völkern befunden, von denen man sagt, daß sie noch der sanften Freiheit der ersten Naturgesetze leben, so versichere ich Dir, daß ich mich darin sehr gerne ganz und gar abgebildet hätte, und splitternackt. So bin ich selber, Leser, der einzige Inhalt meines Buches; es ist nicht billig, daß Du Deine Muße auf einen so eitlen und geringfügigen Gegenstand verwendest.
Mit Gott denn, zu Montaigne, am ersten März 1580

Diese Sätze haben mir gefallen. Sie haben mich angeregt, mehr von diesem Autor zu lesen. Vielleicht könnte es dazu beitragen, mein eigenes Schreibverhalten in Richtung einer gewissen Desinteressiertheit an persönlichen Eitelkeiten zu verbessern.

Man hat mir einmal gesagt, ich brächte es oft fertig, das, was ich mit den Händen aufgebaut hätte, mit dem Arsch wieder einzureissen. Daran mag wohl etwas Wahres sein. Aber es ist mein Arsch.

Letzte Woche - das zum Thema splitternackt - hatte ich die Gelegenheit, mit Hilfe meiner Bildersammlung eine kleine Summe Geld zu verdienen. Und dies, ohne an ihr selber oder ihrer Gestaltung irgendetwas zu verändern. Sie wäre ganz in meiner Hand geblieben, der potentielle Geschäftspartner wollte keinerlei Einfluss ausüben.

Es war aber ein katholischer. Ich jedoch hatte mitten in unsere Verhandlungen hinein zwei Nacktbildchen von mir veröffentlicht.

Das muss ihn ziemlich schockiert haben. Anscheinend passen Nacktbildchen nicht zu Heiligenbildchen. Aber was passt zu Heiligenbildchen? Nichts. Ich kann mich doch aber weder ausschliesslich mit solchen Bildchen noch mit nichts beschäftigen.

Eigentlich wollte ich die Geschichte mit der gescheiterten Geschäftsbeziehung ganz für mich behalten. Ich bin eben kein Geschäftsmann. Vielleicht soll es mir daher eher peinlich sein, nicht nur überhaupt an ein Geschäft gedacht, sondern nun auch noch den Eindruck vermittelt zu haben, ich trauerte dem entgangenen nach. Ich trauere aber nicht, kann mit kleinen Peinlichkeiten ganz gut leben.

Im Nachbarort hat's heute gemacht, höre ich. Ich weiss nicht, was da runter gekommen ist. Hier war das Wetter schön.

Fortsetzung hier.

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